Der Gemeindenamen Rot

Wissenswertes

Zur Namensgebung von Rot gibt es mehrere Deutungen:

Durch Rodung entstanden, nach roter Bodenfarbe oder rot = Vorstellung des Geheimnisvollen (Hinweis auf so genannte Feuersteindorf nach W. Müller und römische Anlagen  - Römerstraße).

Eines ist sicher:

Das älteste uns bekannte Lagerbuch über Zuffenhausen legte 1356 das Kloster Bebenhausen an.
Der Name im Rod ist zweimal vorhanden, einmal mit dem Vermerk (A) für Acker.
Der Name im Rod wurde erstmalig 1334 erwähnt.
In der Landesvermessung von 1824-1831 war im Rod noch im Gebrauch.

Die erste Erwähnung fällt genau in die Zeit, wo die ersten große Waldrodungen hier in unserer Gegend begannen.

Rodung

„Germanien ist schrecklich mit seinen Wäldern“ – der Ausruf des Tacitus und für Plinius sind diese Wälder „Sie bedecken das ganze übrige Germanien und vereinen mit der Kälte das Dunkel.“

Dieser Urwald war im Verlauf der Klimaverschiebung seit der Jungsteinzeit entstanden. Der lichte Haselbusch, der noch in der mittleren Steinzeit das Land überwuchert hatte, wurde von ozeanischen Bäumen wie Buche, Tanne und Eibe verdrängt. Linde und Eiche waren weit verbreitet.

Nadelhölzer spielten eine untergeordnete Rolle. Esche, Ulme, Weide und Pappel waren in Flussniederungen heimisch.

Die Auflichtung der Wälder muss mancherorts schon in der Eisenzeit begonnen haben. Der Urwald, der die Römer so beeindruckte, war bis zum frühen Mittelalter allenfalls an seinen Rändern und Ausläufern von menschlicher Siedlung angegriffen worden.

Menschliches Leben war ohne den Wald nicht möglich. Er lieferte das Holz zum Heizen und war das wichtigste Baumaterial. Eicheln und Bucheckern bildeten durch die Jahrhunderte zudem die Grundlage der Schweinemast. Die Schweine wurden nicht in Stallungen sondern in Pferchen und Hütten im Wald gehalten. Das lateinische „buriae“ für diese Schweinehütten lebt in den auf „-beuren“ endenden Ortsnamen weiter. Erst Ausgang des 18. Jahrhunderts wurde mit Einführung der Stallhaltung und nicht zuletzt Dank der Kartoffel die Waldweide entbehrlich.

Aus dieser Zeit ist auch der Name Gänseberg in Rot überliefert. Auf diesen kleinen Berg weideten die Gänse von Zuffenhausen.

Seit dem ausgehenden 11.Jahrhundert wurde in Europa gerodet. Es ging nicht mehr um das Unterholz an den Waldsäumen, es ging um den Wald selbst.
Schon seit dem 9. Jahrhundert begannen die Menschen, die agrarische Nutzfläche auf Kosten des Waldes zu erweitern. Die auf „-ingerode“ auslautenden Orte waren noch vor der Jahrtausendwende entstanden.

Die Zeit zwischen dem 11. und dem ausgehenden 13. Jahrhundert ist die Epoche des Landausbaues. Das starke Bevölkerungswachstum zwang neue Ackerflächen zu gewinnen. Auf deutschem Boden wurde ein Gebiet von der Größe Englands dem Wald und der Wildnis abgerungen. Ortsnamen auf „-rode“, „reuth“, „-rieth“, „-brand“, „-lohe“, „-sang“, „-schwand“ erinnern noch an besondere Techniken der damaligen Rodung.

Die Welt hatte sich verändert, nachdem die Erde vielerorts ihres Waldkleides beraubt wurde. Um 1300 fiel einem Dominikaner in Colmar diese Veränderung auf. Seine Wahrnehmung war geschult worden durch seinen Ordensbruder Albertus Magnus. Die moderne Wissenschaft bestätigt mit anderen Methoden die Veränderung der Welt um 1300.

Im 12 Jahrhundert ist mit Einführung des Weinbaus auch an den Berghängen der Wald gerodet worden.

In dieser Zeitepoche ist vermutlich auch der Wald hier in Rot gerodet worden. Dies deckt sich mit der um 1200 gegründeten (bzw. erstmalig erwähnten) Ortschaft Zuffenhausen. Auch Zuffenhausen hatte sein Weingebiet am Rappenberg. Und Zuffenhausen hatte Bedarf an Holz. Die erste Kirche in Zuffenhausen im Gebiet der Kirchtalstraße wurde aus Holz gebaut.

Und Rodungsarbeiten waren ohne Stihl-Säge und Großräumer nicht nur lebensgefährlich, sondern auch schwerste körperliche Arbeit. Holz von Rot musste man nach Zuffenhausen nicht mühsam hochtransportieren , sondern konnte das Holz ins Tal gleiten lassen. Wie auch das Holz vom Rappenberg, den späteren Weinbergen von Zuffenhausen.

Ein Wanderer, der um 1400 auf eine Stadt oder Ortschaft zuwanderte, war durch waldarme Gebiete geschritten. Zu groß war die Nachfrage nach Holz als Energieträger, nach Holz als Baumaterial. Im unmittelbaren Umland hatten nur wenige Gehölze überlebt.

Der Beruf des Böttchers, Küfers oder Büttners ist in seiner Bedeutung gar nicht zu unterschätzen. Ohne die Verarbeitung von Eichenholz als Fassmaterial wäre die Ausweitung des Transportwesens im Spätmittelalter gar nicht möglich gewesen. In Hamburg wurden im Jahr1375 457 Brauereien und 104 Böttcherbetriebe gezählt.

Holz hatte als Grundstoff für handwerkliche Produktion eine noch höhere Bedeutung als heutzutage das Öl. In Zusammenhang mit dem Wort Rot muss auch der Beruf des Rotgerbers beachtet werden. Die rötlichbraune Färbung des hergestellten Leders stammt von der Eichenrinde, die als Gerbrinde von jungen Stockausschlägen im Niederwaldbetrieb gewonnen und in eigenen sogenannten Lohmühlen zermahlen wird. Vielleicht war im Gebiet der Rotäcker hier in Rot eine solche Produktion.

Noch im 15.Jahrhundert fiel italienischen Reisenden auf, dass in Deutschland die Häuser aus Holz und nicht aus Stein gebaut waren. Aber ohne Holz hätte es auch keine Steinbauten gegeben.

Backsteine und Ziegel wurden in der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts nur für den städtischen Bedarf gestattet, zu hoch war der Brennholzbedarf für deren Herstellung.

Für den Dachstuhl der Hamburger Petrikirche brauchte man ohne die Sparren 400 alte Eichen. Gerüste und Verschalungen verschlangen einen großen Wald.

Wo führte dieser Verbrauch hin? Die Nürnberger, so Johann Cochlaeus 1512, fürchten am meisten, dass es ihnen schließlich an Holz mangeln würde.

Ende des 16.Jahrhunderts wurde bemerkt, dass der arme Mann sich mehr um Brennholz als um das tägliche Brot sorgen müsse. Die Energieeinsparung war ein Thema geworden. Selbst in Patrizierhäusern wurden nur eine oder maximal zwei Stuben beheizt.

Die so genannte „industrielle Revolution des Mittelalters“ war genau besehen eine Evolution zu Lasten des Waldes.

Wo das Holz immer knapper wird, liegt der Gedanke der Aufforstungen nahe. Die älteste Nachricht über die Eichelsaat stammt aus dem Jahre 1398, und schon im 15. Jahrhunderts steht die Eiche an der Spitze der künstlichen Nachzucht. Nürnberg wurde der größte Waldsamenlieferant in Europa.

Den spätmittelalterlichen Stadtvätern war bewusst, dass das Gedeihen ihrer Stadt vom Walde abhing.

Die frühneuzeitliche Verwahrlosung der Wälder, die im 18.Jahrhundert entstand, ist bisher nur unzugänglich erforscht worden.

Im Stadtpark Zuffenhausen ist noch ein „Denkmal an diese Zeit erhalten“.

Im März 2004 wurde die abgestorbene Schdomba-Eiche aus Sicherheitsgründen gefällt. Sie muss um die 250-300 Jahre alt geworden sein. Neben diese Eiche steht ein Mahnstein, auf der einen Seite eine grimmige Fratze, auf der Rückseite die Inschrift. „Wert Hand anlegt an den Wald der wird nicht alt“.

Von allen ist die Gesamtverantwortung notwendig, denn es gilt – wenn der Baum hochgewachsen ist ist der Pflanzer tot.

Welche weiteren Möglichkeiten der Namensgebung sind für Rot noch wahrscheinlich?

Bodenbeschaffenheit

Von Natur aus ist die Bodenbeschaffenheit hier im Gebiet nicht von roter Farbe.
Wir finden in der Umgebung vor:

Hohenloher Straße – Muschelkalk
Goldbacher Weg „Wannenbuckel“ – Gipskeuper
Schoßbühl – untere bunte Mergel, Verwerfung
Tapachstraße, Schnarrenberg – Schilfsandstein, Verwerfung
Neckartal – Lößaufschluß
Feuerbacher Höhenweg – Schilfsandstein
Mergelgrube am Horn, oberster Gipskeuper, Verwerfungen

 

Weitere Möglichkeiten


Die römische Nord-Süd-Verbindung

Zur Römerzeit vor ca. 2000 Jahren wurde die wichtige Nord-Süd-Verbindung, die römische Kastellstraße von Römerkastell „Auf der Steig“ in Cannstatt zu den Römerkastellen nach Benningen und nach Wahlheim errichtet. Der Verlauf dieser Straße ist aus altem Kartenmaterial, aus Fundmaterial z. B. steinerner Straßenbelag in Kornwestheim und aus alten Gemeindegrenzen bekannt.

Die Straßen zur Römerzeit wurden immer in einem relativ geraden Verlauf ausgeführt, sofern es das Gelände zuließ

Auf unserer Gemarkung beginnt die Straße in Zazenhausen Gewand Hohlgrabenäcker, im heute noch sichtbaren Hohlweg, den Weg hoch nach Rot, zwischen Ernst-Abbe-Schule und Imanuel-Grözinger-Haus hindurch, die Löchgauerstraße entlang, zwischen Ferdinand-Porsche-Gymnasium und Uhlandschule, dann zwischen Rilke-Realschule und Gewand Schoßbühl hindurch.

Dann beginnen mit dem Burgholzhof und dem Schnarrenberg waren zwei große natürliche Hindernisse, die nicht ohne Schwierigkeiten zu überwinden waren.

Der weitere Verlauf der Straße ist nicht überliefert, man geht von einer Schleife aus um die Steigung der Straße über den Burgholzhof zu begrenzen. Dann von den Höhen des Burgholzhofes, wahrscheinlich auch in Schleifen, den Hallschlag hinunter, an der römischen Ziegelei vorbei zum ehemaligen Kastell „Auf der Steig“. Man muss bedenken, dass die schon an sich schweren Fuhrwerke plus Last nur von zwei Tieren gezogen wurden. Die maximale Steigung war so aus natürlichen Gründen begrenzt.

Könnte eine mögliche rote Verfärbung in diesem Gebiet von Ziegelbruch herstammen, der während des Transportes durch die Römer in gut 300 Jahren Nutzung der Straße zu Bruch ging?

Oder gar von einer römischen Produktionsstelle für Ziegel- und Tonmaterial.
Eine solche Produktion hinterlässt viel rote Branderde und viel Ziegelschrott.

Der renommierte Archäologe Oskar Paret aus Ludwigsburg war ein exzellenter Kenner der römischen Geschichte. In keinem seiner Bücher und Veröffentlichungen hat er aber von nennenswerten römischen Spuren in Rot berichtet. Obwohl er sich in der ganzen Gegend hervorragend auskannte. Die römischen Gutshöfe von Zazenhausen und Mühlhausen sind von ihm belegt und detailliert beschrieben. Auch die römische Bebauung auf dem Hallschlag hat er umfangreich dokumentiert.

Auch der Zuffenhäuser Heimatforscher und Oberlehrer Wilhelm Müller (4.10.1878-9.4.1959), der nicht nur Geschichte unterrichtete sondern lebte, berichtete nicht von römischen Spuren in Rot. Nach seinen Schilderungen war er während den Grabungsarbeiten für das neue Wohngebiet in Rot vor Ort. Ohne neue Befunde und Erkenntnisse. Obwohl er jeden Quadratmeter kannte und auch über den Verlauf der alten Römerstraße bestens informiert war.

Eine Ziegelproduktion in Rot währe den Archäologen aufgefallen. Man kann sie ausschließen. Diese Ziegeleien lagen bekanntlich auf dem Hallschlag beim Römerkastell und in Waiblingen.

Und  römischen Ziegelbruch fand und findet man nur auf Zazenhäuser Gemarkung. Es sind die letzten Ziegelreste von den dort noch im Untergrund nachweisbaren römischen Gutshöfen.

Der West-Ost-Weg

Ein weiterer wichtiger Verkehrsweg war der West-Ost-Weg, in unserem Gebiet genannt der Rotweg. Von Mühlhausen her kommend bog er an der heutigen Kreuzung Rotweg/Pliensäckerstraße (Malberg) links ab in die heutige Beilsteinerstraße. Dieses ca. 100 Meter lange Straßenteilstück ist heute überbaut, auch den Abzweig gibt es nicht mehr. Am Feuerbach biegt der Weg links ab und geht dann  weiter über die heutige Aspacherstraße, Marbacher Straße, Bottwarstraße, Unterländerstraße und Güttlinger Straße weiter.

Man geht davon aus, dass dieser Weg schon zur vorrömischen Zeit bestand, als unbefestigter, im Prinzip ein Weg aus festgetretenem Erdmaterial, fast unbrauchbar im Winter und zu Regenzeiten.

Bei der Aspacher Straße muss eine Furt über den Feuerbach gewesen sein.

Diese West-Ost-Verbindung ist, so die Vermutung, zur Römerzeit als Straße ausgebaut worden.  Auch die nachweisbaren römischen Baureste im heutigen Friedhof beim Bauhof lassen auf eine Erschließung über eine Straße schließen. Ob die Baureste jedoch einen Gutshof darstellten, das mag bezweifelt werden. Die Römer hätten einen Gutshof nicht in das Überschwemmungsgebiet des Feuerbaches gebaut. Es muss ein Gebäude mit einer anderweitigen Nutzung gewesen sein. Vermutlich eine Herberge, denn die Furt konnte nicht bei Hochwasser passiert werden. Auch die Lage links des Feuerbaches deutet auf eine Herberge hin, Reisende in Richtung Römerkastell mussten hier auf einen niedrigeren Wasserstand in der Furt warten.

Was macht eine Straße aus? Der Begriff Straße stammt aus dem Lateinischen „via strata“ = bestreuter Weg, ein Weg, der künstlich befestigt wird.

Vor der Römerzeit wurde bei uns keine Straße in diesem Sinne gebaut. Die Besiedelung war einfach zu dünn, damit sich ein solcher Aufwand gelohnt hätte. Zudem waren die drei Komponenten einer Straße, der Untergrund, die Tragschichten und die Decke damals in unserem Gebiet unbekannt.

Man kann es kaum glauben, bis 1924 waren die Straßen nicht für Kraftwagen ausgelegt. 85% der Landstraßen waren nur wassergebundene Schotterdecken, auf Stadtstraßen findet man vorwiegend Klein- und Großpflasterdecken aus abriebfesten Granit.

Die Römer bauten innerhalb von 600 Jahren ein Straßenwerk von 150 000 km auf (Gesamtnetz der BRD heute: 626 500 km). Dabei waren 85 000 km Fernstraßen.

Sie benötigten die Straßen für den Truppentransport und dem dazu notwendigen Materialtransport. Man kann auch sagen zur Erschließung einer entsprechenden Infrastruktur.

Seit der Römerzeit wurden die Straßen aus Steinbruchschotter, Sand, Kalk und aus Steinmaterial herrührend von den umliegenden Äckern gebaut. Nach der Römerzeit passierte nichts mehr. Bis in unsere heutige Zeit. Die Generationen nach den Römern, auch im Mittelalter, benutzten die alten Römerstraßen weiter. Ohne selber entscheidend weiterzubauen. Deshalb kann man heute den Verlauf der alten Römerstraßen genau feststellen. Der Verlauf blieb ja bis heute erhalten.

Wichtig für unsere Betrachtungen zu der Bezeichnung Rot ist auch, dass noch um 1900 zwei große Ziegeleien in Zuffenhausen, die Knechtsche Ziegelei auf den heutigen Gelände des Friedhofes (Sammelstelle für Grüngut) und die Hofäckersche Ziegelei und Grube (heutiges Gebiet Hofäcker) bestanden, Gleich nebenan auf den Hallschlag im heutigen Bereich des neuen Industriegebietes Kölner Straße bestand ebenfalls eine sehr große Ziegelei. Abgesehen von der alten Ziegelei in Cannstatt. Es hat eine lange Tradition der Tonverarbeitung gegeben, der große Lößaufschluß (Grundmaterial für die Ziegeleien) im Friedhof Zuffenhausen und auf der anderen Seite der Ludwigsburger Straße zeugt noch von der damaligen Zeit. Der Löß wurde mit einer Seilbahn über die Ludwigsburger Straße zur Verarbeitung in die Brennöfen der Knechtschen Ziegelei transportiert.

Die bekannten Ziegeleien mussten den täglich anfallenden Ziegelbruch, vor allem aber die Brandrückstände entsorgen. Damals wurde, nicht wie heute, der Müll teuer durch halb Deutschland transportiert, mit welchem Transportmittel auch, sondern direkt am Entstehungsort entsorgt. Trotz guter Brandqualität und wenig Ausschuss muss es eine oder mehrere Entsorgungsstellen in der näheren Umgebung gegeben haben.

Wo konnten diese Stellen sein? Sie könnten nach heutiger Bezeichnung gelegen haben:

Hummelgraben Flst.2330, Zazenhäuser Straße Steinbruch Siegel, Rotweg Steinbruch unterhalb Löwensteiner Straße, Steinbruch Wenninger, Blankensteinstraße, Gelände zwischen Frauenstegstraße und Heimstättenstraße, Bußallee, Flst.1678 Fürfelder Straße, Oberes Tapachtal, Gewann Reute bei der Schozacher Straße Rot

Die vielen Muschelkalk-Steinbrüche waren zu dieser Zeit alle noch voll in Betrieb, der Muschelkalkschotter wurde mit der Eisenbahn abtransportiert. Die Verladestelle lag in der Gegend der heutigen Umspannstation zwischen Zuffenhausen und Kornwestheim, Reste der Verladestation waren um 1960 noch zu sehen. In den Steinbrüchen konnte der Müll zur damaligen Zeit also nicht abgelagert werden.

Bleibt eine andere Möglichkeit, der Straßenbau. Wie es um den Straßenbau bis 1900 aussah wurde schon berichtet. Im Straßenbau war immer das Geld knapp. Und zur damaligen Zeit war er zudem noch knochenharte aufwendige Handarbeit.  Es bot sich an, die Rückstände aus den Ziegeleien als zusätzliches kostenloses Straßenmaterial für den Untergrund, zu verwenden.

Oder bis 1930 in eine Straßendecke mit verdichtetem wassergebundenen Belag einzuarbeiten

Oder ihn auf offener Fläche – z.B. auf bestimmten Äckern – zu entsorgen. Oder beides zusammen. Die Rotäcker gleich rechts neben dem Rotweg gelegen könnten so ein Gelände gewesen sein.

Die rote Ziegelfarbe wäre dann überall sichtbar gewesen und könnte dann in den Volksmund übergegangen sein. Aus dieser Zeit, so um 1800-1900 könnte auch der Flächenname Rotäcker und der Straßenname Rotweg herstammen, den Namensgebern von Rot.

Wir dürfen auch nicht die Straße „Roter Stich“ in unseren Betrachtungen vergessen, die heute auf den Burgholzhof führt. Auch hier ist keinerlei rote Bodenfarbe vorhanden. Wurde sie mit Ziegelmaterial erbaut?

Meine Befragung älterer Zuffenhäuser Bürger zu den Rotäckern und zum Rotweg blieb erfolglos. Alle kannten die Äcker und die Straße, woher die Namen aber kamen wussten sie nicht.

Welche Bedeutung ist am Wahrscheinlichsten?

Dazu vorab bemerkenswertes von unserer Nachbargemeinde Münster:

Das ehemalige Bauern- und Weingärtnerdorf Münster hat eine besonders schöne Lage am Knie des Neckars unterhalb von Bad Cannstatt. Der Ortsname leitet sich von dem lateinischen Wort „monasterium“ (Kloster) her. Die Stifter des Klosters Lorch (a.d. Rems), denen Münster gehörte, haben um das Jahr 1102 Herzog Friedrich I. von Schwaben mit dieser Besitzung ausgestattet. In Münster könnte vermutlich um 1300 eine stärkere Wachstumsphase im Bauwesen erfolgt sein.

Parallel dazu könnte dazu auch eine Wachstumsphase in Zuffenhausen erfolgt sein.

Weiter wird erwähnt, Münster hat große Teile seiner Gemarkung abgeben müssen zum Bau der Stadtteile Rot, Mönchfeld und Freiberg.

Dies bedeutet, dass auch Münster einen Anteil im Rod oder später genannt den Rothäckern besaß.

Zu jeder Zeit war die Waldarbeit nicht nur gefährlich, sondern mehr als mühsam.

Betrachtet man die Lage der Rothäcker, so liegen sie von Münster und von Zuffenhausen nur knapp 500 Meter entfernt.
Und dazu noch auf einer höheren geografischen Lage.

Wenn zu dieser Zeit um 1300 das Gebiet noch bewaldet war, so war ein Abtransport des gefällten Holzes hervorragend und ohne starke Mühen und Plagen möglich. Steil hinab über den Kahlenberg in Richtung Neckar (Flößerei?), über die heutige Austraße war ein ebenerdiger Transport bis nach Münster möglich. Und über den Rotweg war ebenfalls ein leichter Transport hinab nach Zuffenhausen möglich.

Entscheidend über die Namensgebung ist der der Zeitpunkt der ersten Nennung. Da im Rod  bereits 1334 erwähnt wurde, genau in der Zeit der großen Rodungsphase, die Bodenbeschaffenheit nicht „rot“ sein konnte, so deutet doch alles auf die Namensherkunft der Rodung hin.

Auf ersten Karten aus dem 17. Jahrhundert war das Gebiet von Rot ohne Baumbestand eingezeichnet. Dies unterstreicht die These, dass eine frühe Rodung des Gebietes stattgefunden haben muss.

Und eine andere Namensgebung z.B. aus der Römerzeit. Eher unwahrscheinlich, das Interesse an römischer Geschichte ist erst in 17/18 Jahrhundert  entstanden. Nicht schon um 1334. Römische Gebäude und Hinterlassenschaften wurden im ganzen Mittelalter bis heute noch als willkommener Steinbruch für Baumaterial genutzt. (neudeutsch Recycling)